Kuratorin Judith Rüber und Kantor Jörg Reddin

Oberkirche
Eine Ausstellung in der Oberkirche
Arnstadt gilt als die Bachstadt, die am stärksten mit der Familie Bach verbunden ist. Kaum ein anderer Ort bewahrt so viele Spuren der Vorfahren und Verwandten Johann Sebastian Bachs – ihrer Lebenswege, Wirkungsstätten und musikalischen Traditionen. Die Ausstellung „Bache in Arnstadt“ lädt dazu ein, diesen außergewöhnlichen Ort und seine Geschichte neu zu entdecken.
Der Musikwissenschaftler Joshua Rifkin erinnerte einmal daran, dass Bach „in einer der schönsten Landschaften Europas“ aufwuchs – im Thüringer Becken und dessen Hügelland zwischen Eisenach, Ohrdruf und Arnstadt. Wer den Spuren bedeutender Künstler folgt, sucht den genius loci, den besonderen Geist eines Ortes. Arnstadt bietet davon reichlich: Zahlreiche Originalschauplätze sind bis heute erhalten und lassen sich noch immer im Gepräge des 17. Jahrhunderts lesen, der Zeit der Arnstädter Bache.
Nach dem Stadtbrand von 1582 prägten Reformation und Neuaufbau das Gesicht Arnstadts. Viele Straßen, Plätze und Gebäude der heutigen Innenstadt zeigen sich nahezu so, wie sie die Bachs gesehen haben. In dieser Zeit formte sich das Arnstadt, das für die musikalische Arbeit der Familie eine so zentrale Rolle spielte.
Die Ausstellung findet in der Oberkirche statt – jenem frühgotischen Kirchenbau, der nach 1582 zur Hofkirche wurde und über Generationen hinweg eng mit den Bachs verbunden war. 1611 erhielt die Kirche eine neue Orgel des Eislebener Orgelbauers Ezechiel Groitzsch. Dieses Instrument prägte über Jahrzehnte das musikalische Leben der Stadt: Heinrich Bach (1615 – 1692) spielte sie mehr als ein halbes Jahrhundert lang, ebenso Johann Sebastians Vetter Johann Ernst (1683 – 1739).
Auch die prächtige Ausstattung der Oberkirche – Taufe, Kanzel und Altar – stammt aus der Zeit, in der die Arnstädter Bache hier wirkten. 1642 wurde die erste Schwarzburger Gräfin in der neuen gräflichen Gruft der Oberkirche beigesetzt, ein Zeichen der wachsenden Bedeutung dieses Ortes.
Die Reihe der Arnstädter Bache beginnt mit Caspar Bach, der 1620 als Musiker auf dem Neideckturm wirkte. Ihm folgten über 100 Jahre hinweg zahlreiche Familienmitglieder: Organisten, Hof- und Stadtmusiker, Kantoren. Unter ihnen waren Heinrich Bach, sein Bruder Christoph Bach, die späteren Onkel Johann Sebastians, sowie Johann Michael und Johann Christoph, deren Werke im Altbachischen Archiv überliefert sind.
Viele ihrer Lebensorte sind bis heute sichtbar: der Neideckturm, die Jakobsgasse, die Kohlgasse oder die Häuser des späteren Bürgermeisters Feldhaus, bei dem Johann Sebastian möglicherweise zeitweise wohnte.
Die Ausstellung spannt einen historischen Bogen von der Groitzsch-Orgel (1611) bis zur Orgel von Johann Stephan Schmaltz, der 1756 sein Instrument in der Oberkirche vollendete.
Weitere Informationen
Nach der Vernissage ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Oberkirche zu besichtigen.
Programm
Besetzung:
Judith Rüber – Kuratorin
Kantor Jörg Reddin – Cembalo
Dauer
ca. 30 Minuten
Ticketpreise
Eintritt frei – Spenden zur Erhaltung der Kirche und Restaurierung der Orgel erbeten.
